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Perspektiven und Ausblicke

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Für das Theater in der Krise brauchen wir Perspektiven. Die können wir uns aber nur selbst schaffen. 

Theater ist das gemeinsame Erleben von Kunst mit dem Publikum im selben Raum. Und natürlich dürfen wir das gerade nicht, weil es das Lehrbuchszenario in den Handreichungen zur Pandemie ist. Viele Menschen verschiedenster Herkunft, eng gedrängt, in einem gut geheizten Raum, über Stunden mit derselben Atemluft… 

Dieses Dilemma kann auch die Politik nicht lösen – selbst wenn der Bühnenverein von ihr eine Perspektive  einfordert. 

[An dieser Stelle gehen wir einmal selbstverständlich davon aus, dass die Steuerausfälle der Gemeinden als Schaden durch eine weltweite Krise betrachtet und natürlich nicht durch Einsparungen kommunaler Haushalte, sondern aus den für Krisen dieser Art verfügbaren Bundesmitteln gedeckt werden. Diese wirtschaftliche Perspektive haben wir alle verdient.]

Wer als Geschäftsführer eines Betriebes juristische Probleme ausschließen will, der ist natürlich an möglichst betriebsfreundlichen Verordnungen interessiert. Wem allerdings das Wohl von Gästen und Mitarbeitern am Herzen liegt, der wird in Krisenzeiten vor allem deren Gesundheit in den Vordergrund stellen. Sich trotz Corona in einem Theatersaal zu treffen, setzt also voraus, dass sich keiner anstecken kann.

Ganz abgesehen von den medizinischen Möglichkeiten ist ein Impfstoff gegen SARS-CoV-2 vor Spätherbst 2020 auch aus rein juristischen Gründen wegen klinischer Tests und derlei nahezu ausgeschlossen. 

Rein mathematisch dauert es zudem beim derzeitigen Ansteckungsverhalten drei bis sechs Jahre, bis alle Deutschen nachweislich erkrankt und damit unter Umständen immun sind. Nur Menschen mit einem Antikörper- oder Impfnachweis ins Haus zu lassen, erscheint also vorerst nicht realistisch.

Die Perspektive, die sich daraus ergibt, mag vielen nicht gefallen. Aber logisch denkend kann man aus den derzeitigen Erkenntnissen zur Übertragbarkeit von Covid19 kaum ein anderes Szenario entwickeln: Kein Theater mehr in diesem Jahr.

Denn es kann als sicher gelten, dass kein Intendant sein Publikum einem tödlichen Risiko aussetzen möchte – selbst wenn er es darf. 

Was wäre denn die Alternative? Gehen wir einfach einmal davon aus, dass die meisten Menschen zu zweit ins Theater gehen. Das allein wäre ja in den meisten Bundesländern erlaubt. Nun ziehen wir mit dem Zirkel einen 1,5 Meter messenden Kreis um die Sitzplätze dieser beiden Besucher. Von diesen 2er-Inseln können wir jetzt so viele im Saal verteilen, bis sich die ersten Kreise überschneiden. 

Wie viele Besucher sind das bei Ihnen? Und sieht es für Sie sinnvoll aus, vor diesem Publikum zu spielen – wirtschaftlich sicher nicht, denn wir sind im Theater. Aber gehen wir einmal davon aus, dass der Lappen auch für einen einzigen Zuschauer hochgehen muss. Dann könnte man eine Oper sicher auch für 200 Besucher spielen.

Nun braucht jeder dieser Besucher einen Mundschutz, damit wir sicher gehen können, dass er keine Viren aushustet. Aus dem Einzelhandel kennen wir das Prinzip. 

Die Klimaanlage dürften Sie vermutlich nur mit speziellen klinischen Filtern oder erst dann betreiben, wenn Wissenschaftler komplett ausschließen können, dass sich das Virus als Aerosol verbreitet. 

Bevor der Vorhang hoch geht, müssten wir vermeiden, dass sich die Besucherpaare zu nahe kommen, beim Einlass durch die wenigen Türen moderner Theaterbauten oder noch im Foyer. Auch hier ergeben sich noch keine Einschränkungen, die das Vorhaben komplett unmöglich machen würden. Die meisten Theaterkassen verfügen über einen gläsernen Spuckschutz und rechnen bargeldlos ab. Ihr Gastronom kann an den Theken verschlossene Flaschen abgeben und die Garderobe funktioniert bei ausreichendem Abstand sicher auch – nur etwas langsamer. 

Im Vorderhaus bekommen wir also fast keine Probleme. Bis auf die Kleinigkeit, dass es vermutlich nicht zu viele Menschen geben wird, die sich für mehrere Stunden mit potenziell ansteckenden Mitmenschen in einen Raum sperren lassen. Gehustet wird ja, wie im Theater allgemein üblich, immernoch – nur verhaltener. 

Wenn wir hinter den Vorhang treten, sieht die Lage schon ganz anders aus. 

Opernsänger werden die Geschäftsleitung sicher zurecht fragen, ob die Spätfolgen einer möglichen Ansteckung mit einer gefährlichen Lungenerkrankung von irgendeinem Versicherer getragen werden. Das Orchester kann sich zwar weiter zu zweit ein Pult teilen, aber die Sache mit dem Mundschutz wird zumindest bei den Holzbläsern zum Problem. Größere Besetzungen dürften in 1,5m-Abständen allerdings nur verteilt auf die Kellergänge möglich sein. 

Auf der Bühne bleibt das Pas de deux die größte Versammlungsform, und Liebesszenen bleiben den Schauspieler-WGs vorbehalten. Die Bühnenteile müssen so leicht gebaut werden, dass sie von nur zwei Technikern getragen werden können, in der Kantine prosten wir uns nach der Premiere aus sicherem Abstand von Tisch zu Tisch zu. Und nach wie vor wandern alle Mitarbeiter sofort in häusliche Quarantäne, wenn sich auch nur einer – auf dem Heimweg im Bus zum Beispiel – doch noch ansteckt. 

Bei allem Sarkasmus dürfte doch ziemlich sicher sein, dass es Theater in der bekannten Form eine sehr lange Zeit nicht geben wird. Aber man könnte aus den gegebenen Umständen eine Reihe von Perspektiven entwickeln. Und damit ist nicht gemeint, dass die Theater jetzt ausschließlich online ihr Angebot an den Mann bringen sollen. 

Wenn die Sache mit dem Mindestabstand in den Sälen geklärt ist, gibt es eine Reihe von wirklich guten Stücken, die ohne große Besetzung und direkten Körperkontakt auskommen. Und es sollte uns alle wundern, wenn im Tanz nicht unglaubliche Meisterwerke unter Berücksichtigung der 1,5-Meter-Regel entstehen würden.

Kleinere Theater könnten versuchen, die 20-Personen-Regel, die mancherorts für Familienfeiern eingeführt wird, für Vorstellungen in Anspruch zu nehmen, die ebenso nur einem sehr reduzierten Publikum angeboten werden. Schulklassen zum Beispiel, wenn die Schulen ja eh geöffnet werden. 

Unter Einhaltung der Abstandsregeln könnten Orchester größerer Bühnen endlich die Aufnahmen realisieren, die sie im Spielbetrieb nie umsetzen durften. 

Natürlich könnte man auch versuchen, den Umkreis der Beteligten zu minimieren. Vielleicht erst einmal ein Stück en-suite ansetzen und damit die Menge der im Haus agierenden Personen minimieren, das Ensemble mit regelmäßigen Tests vor sich selbst schützen und während der Vorstellungsphase alle Kollegen, die auf und hinter der Bühne wirklich gebraucht werden, im Hotel unterbringen. Das wäre sicher mit privaten Entbehrungen verbunden, für die Beteiligten aber unter Umständen sicher genug.


Es gibt sicher Unmengen guter Ideen, die man in den Theatern auch während Corona umsetzen könnte. Ganz abgesehen davon, dass man auch einfach die Füße ruhig halten könnte, um sich im stillen Kämmerlein seine Gedanken über ein Theater der Zukunft zu machen. Nun aber von anderen (im schlimmsten Fall von Politikern) eine Perspektive für eine Situation einzufordern, die selbst Wissenschaftler nicht ausreichend beurteilen können, ist die dümmste dieser Ideen. Wir stehen gerade erst am Anfang einer sehr langen Krise. Da sollten wir Atem und Nerven sparen und besonnen handeln.

In erster Linie sollte es doch jetzt um die gehen, denen die Theater mit Verweis auf die Träger und die Vertragsklausel zur höheren Gewalt gerade ihre Gage nicht zahlen können. Um die kleinen Häuser, die direkt vom Konkurs bedroht sind. Und um all die in ganz anderen Bereichen, die die Krise wirklich hart trifft: Geringfügig Nichtmehr-Beschäftige in der Gastronomie, Hoteliers im Familienbetrieb oder die vielen, die aus Not ganz ohne Vertrag arbeiten mussten und die jetzt ganz ohne dastehen.

Vielleicht hilft eine einfache Checkliste, wenn doch jemand unter Nichtbeachtung logischen Denkens unbedingt vollendete Tatsachen schaffen möchte. Wenn Sie eine der folgenden Fragen mit Ja beantworten können, besteht berechtigte Hoffnung, dass Sie Ihr Theater vor November wieder eröffnen dürfen:

Sind Sie ein anerkannter Experte für SARS-CoV-2?

Haben Sie in Ihrem Betrieb einen anerkannten Experten für SARS-CoV-2?

Können Sie verantwortlich ausschließen, dass sich während der Vorstellungen in Ihrem Haus jemand mit SARS-CoV-2 infiziert?

Sollten Sie keine der Fragen mit ja beantworten können, sehen wir uns in sichereren Zeiten mit noch größerer Begeisterung als sonst wieder. Denn erstaunlicherweise muss Theater zwar nicht sein – aber ohne ist das Leben scheißfad.

Bleiben Sie bis dahin gesund !

- Philipp Contag-Lada

bühnenverein theater corona covid19 soforthilfe für künstler perspektiven für das theater

Theaterhusten

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In diesen Tagen beginnt in vielen Theatern und Kunstinstitutionen nach einigen Wochen des Ausharrens die Kurzarbeit. Ein Schritt, der einschneidende Einschränkungen für die Mitarbeiter mit sich bringt. Viele sorgen sich, ob der Kredit fürs Haus weiter abgezahlt werden kann, oder ob der geplante Urlaub nun ganz ins Wasser fällt.

Für die Freischaffenden ist es jetzt besonders verlockend, noch einmal darauf hinzuweisen, dass freie Künstler schon vor Wochen auf 100% Kurzarbeit ganz ohne Ausgleich gesetzt wurden – aber darum geht es jetzt nicht. 

Neben der Perspektive, dass der Schutz der Schwächeren in unserer Gesellschaft Theater, Museen und Kinos bis in den Herbst hinein geschlossen halten wird, bietet diese „Krise“ doch auch die Möglichkeit, über neue Wege nachzudenken. 

Und genau hier könnten Freie Künstler glänzen. 

Jeden Tag arbeiten wir mit neuen Philosophien, Technologien und Ideen, die oft nicht ihr Publikum finden. Wo bleiben die bahnbrechenden neuen Konzepte und Kunstformen, die dem neuen digitalen Lebensstil gerecht werden und sich trotzdem nicht in der Oberflächlichkeit von TikTok und Instagram erschöpfen? (Das ist eine ganz ehrliche Frage. Ich freue mich über Hinweise jeglicher Art.)

Die meisten Theater haben derweil digitale Notfallangebote aus dem Boden gestampft: Vorstellungsmitschnitte als Onlinestream, kleine Tanzvideos, die die Tänzer daheim in Ihrer jetzt extrem erweiterten freien Zeit aufnehmen, Lesungen einsamer Schauspieler bei Kerzenschein – und fast alle diese Angebote kommen problemlos an die Qualität und den Unterhaltungswert der Fernsehprofis heran, die aus der Quarantäne ihrer Hobbykeller und Terrassen in die Kameras ihrer iPads sprechen. 

Aber ist das jetzt nicht die Zeit, in der wir neue Formate erfinden sollten, die auch eine Lösung für das sind, was Theater und Kultureinrichtungen auch ohne Covid19 seit Jahren beklagen: Leere Hallen

Für die Theater ist es naheliegend, das Quarantäneangebot der Häuser den Abteilungen zu überlassen, die sich schon immer mit dem Neuland Internet auseinandergesetzt haben: Öffentlichkeitsarbeit und Pädagogik. Aber die Aufgabe sollte doch sein, sich nachhaltig und inhaltlich substanziell damit auseinander zu setzen, was Theater und Bildende Kunst kann, auch wenn keiner kommt. 

Und wenn uns plötzlich klar wird, dass Theater eben genau das (die Show vor Publikum) und nichts anderes ist, dann müssen wir uns Gedanken machen, wie wir damit umgehen, dass ein kleiner Virus das System so komplett aushebeln kann. 

Genau jetzt ist die Zeit, Symptome und Auswirkungen der Krise zu beobachten und zu analysieren. Wenn wir irgendwann im Herbst wieder in den Sesseln in abgedunkelten Sälen sitzen, kehren wir sonst wieder zu genau der prekären Grundsituation zurück, die jetzt gerade Existenzen im ganzen Land gefährdet.

Auf der anderen Seite sollten sich Stadt- und Staatstheater jetzt hüten, ein Klagelied über entgangene Einnahmen anzustimmen, wie das im letzten Beitrag des Kuturrates leicht anklang. Wenn „öffentlich getragene Theater 11 bis 22 % ihres Etats“ selbst erwirtschafte müssen und diese Einnahmen jetzt wegbrechen, steht dem gegenüber, dass Kurzarbeit weit über 50 % der Personalkosten einspart. Was dann wiederum zwischen 20 und 40 % des Gesamtetats ausmacht. Außerdem muss ein leerer Saal auch nicht geheizt oder beleuchtet werden. … Ich denke, Sie merken, worauf dieses Rechenspiel gerade hinaus läuft. 

Ganz anders sieht das bei den kleinen Kulturanbietern aus. Private Theater und kommunale Häuser, die mit einer viel geringeren Personaldecke ihr Programm stemmen. Für viele von ihnen wird Covid19 tödlich sein, wenn Mieten und zurückgezahlte Eintrittsgelder die Kassen geleert haben. 

Wir dürfen nicht die diffuse Angst vor einem unsichtbaren Partner auf die Verhältnisse unserer Arbeit projizieren. Der Kampf gegen Covid19 darf nicht zum Verteilungskampf um Kulturressourcen werden. Jetzt ist Solidarität von allen gefordert. Von den Freien, die akzeptieren müssen, dass ihre letzte Gagenhälfte für die eben angesagte Premiere erst einmal nicht auf dem Konto ankommt. Von den Theatern, die aus ihren Budgets vor allem die bezahlen müssen, deren Existenz wirklich bedroht ist, und die sich gut überlegen müssen, wie sie die Karte der „Vertragsauflösung aufgrund höherer Gewalt“ spielen. Und von der Politik, die ihren Mitarbeitern in den Ämtern und Behörden einen kreativeren Umgang mit individuellen Lebensgeschichten erlauben müssen.

Dass das funktionieren kann, haben die Arbeitsagenturen und Landesbanken zum Teil schon eindrucksvoll durch wirklich unkomplizierte Soforthilfen und rasche Antragsbewilligungen bewiesen. Keiner verlangt, dass Antragsformulare plötzlich auf Sesamstraßenniveau geschrieben sein müssen. Aber die entgegenkommende Bearbeitung hilft allen, die gerade eigentlich gerne ganz andere Sorgen hätten.

Und an die kurzarbeitenden Dramaturgen, Kuratoren und Produzenten da draußen in der Isolation ihrer häuslichen Arbeitszimmer der Aufruf: Nutzt die Gelegenheit, dass Ihr nicht in irgendwelchen Sitzungen oder Proben sitzen müsst, und schaut Euch die Arbeiten von Künstlern an, die Ihr nicht kennt, weil Ihr sie nie in eines Eurer Häuser eingeladen habt oder keine Zeit hattet, zu jeder Vernissage oder Premiere zu rennen. Lest die Manuskripte und Partituren, die Ihr in den letzten Monaten in ungeöffneten Umschläge auf die Seite gelegt habt, hört die Demotapes und MP3s, für die Ihr nie Zeit hattet. Und schaut Euch auf den Homepages um, deren Links Ihr aus Zeitmangel bisher weggeklickt habt. 

Jetzt ist der Moment, einfach mal etwas Neues zu tun. 

Jetzt ist die Zeit, Dinge zu entdecken, die im Tagesgeschäft Eurer Institutionen untergegangen sind. Die Institution bezahlt Euch gerade nicht – die Gesellschaft tut es. Und diese Gesellschaft ist voll spannender Künstler, die gerade jetzt auf Eure Aufträge warten. 

- Philipp Contag-Lada

Selfiestick 2.0

Bilder wie die der Kamera auf dem Rathaus der Stadt Stuttgart - alle zwei Sekunden ein neues - dokumentieren unser Leben aus der sicheren Distanz ihrer Standorte. Unerreichbar für die Fotografierten.

Diese Bilder werden überschrieben und verschwinden.

Die Passanten sind eingeladen, den flüchtigen Moment ihrer eigenen Präsenz auf ihrem Mobiltelefon festzuhalten und abzuspeichern.

Selfiestick 2.0


Millions surveillance cameras all over the world record our day to day life. Most images - like these from the Stuttgart City Hall - get overwritten and vanish. We wanted to invite people to capture the moment of their own presence on their mobiles.

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When I met Eva Paulitsch, a friend from university times, in 2008 I showed her what I’ve been working with in advertising over the last years. And she showed me what she’d been working on with Uta Weyrich over the last years. The result was a mix of...

When I met Eva Paulitsch, a friend from university times, in 2008 I showed her what I’ve been working with in advertising over the last years. And she showed me what she’d been working on with Uta Weyrich over the last years. The result was a mix of both, a fully analog rabbit hole into their huge mobile movie archive.

This was the first appearance at “user2” at ZKM Karlsruhe - surrounded by all digital artworks. Simple codes on paper. Well, of course you needed a smart phone to use them…

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